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Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen

1. November 2009

Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, ist ein Gedanke, der in vielen Menschen lebt und wenn der Gedanke eines Bedingungslosen Grundeinkommens geäußert wird, tun sich viele Menschen schwer mit der Idee, dass jemand etwas bekommen soll, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Oft kommt der Einwand, Ich arbeite schwer dafür, damit ich einen Lohn bekomme. Davon zahle ich auch noch Steuern und warum sollen dann andere nicht für Ihren Lebensunterhalt arbeiten.

Dieses Argument ist verständlich und zeigt, dass derjenige der so argumentiert, denkt, er geht für sich arbeiten, damit er leben kann und andere sollen es gefälligst auch tun. Wir leben aber in einer Situation, in der scheinbar nicht genügend Arbeit für alle da ist. Stimmt das ? Und was ist eigentlich Arbeit? Schaut man einmal womit die meisten Menschen in unserer Gesellschaft den Begriff Arbeit und arbeiten verbinden, so fallen einige eigentümliche Widersprüchlichkeiten und Verwirrungen auf. So wird der Begriff Arbeit in der Regel für eine Tätigkeit gebraucht, für die man einen Lohn bekommt, die Lohnarbeit. Wenn wir Arbeit so sehen, würde es bedeuten, dass niemand arbeitet, der keine Vergütung dafür bekommt, dass heißt, eine Hausfrau und Mutter würde in dem Sinne nicht arbeiten. Auch ehrenamtlich Tätige arbeiten in diesem Sinne nicht, zahlen dafür auch keine Steuern. Auch ein Hobbygärtner arbeitet nicht, wenn er seinen Garten umgräbt. Aber Geld arbeitet! Ja tatsächlich, es wird ja sogar Werbung damit gemacht, dass Sie Ihr Geld für sich arbeiten lassen sollen. Geld ist sowieso der ideale Arbeiter, es liegt nur da und braucht auch nichts zu essen und doch schuftet es schwer. Ist es nicht eine Freude anzusehen, wie das Geld die Pflegebedürftige Mutter umbettet, oder mit dem Traktor das Feld pflügt? Ach so, dass ist natürlich Blödsinn, Geld arbeitet ja anders, aber Entschuldigung, in Wirklichkeit habe ich noch nie einen 10,00 € Schein etwas tun sehen. Bisher konnte ich Ihn nur dabei in Situationen beobachten wie z.B.: Ich nehme Ihn aus dem Geldbeutel, um Ihn der netten Kassiererin zu geben, für das Brot, dass Sie mir eingepackt und gereicht hat; dass von einem Bäcker gebacken wurde, dessen Zutaten von einem Feld stammen, dass ein Bauer bearbeitet hat usw… —Danke übrigens für alle, die dafür gearbeitet haben—-. Der 10,00 € Schein wird dann von der Kassiererin in die Kasse gelegt. Hat der jetzt gearbeitet? Bin heilfroh, dass er nicht auch noch zu essen dafür bekommt.

Ach ja, noch etwas fällt mir ein, wenn ich im Sinne der der gesellschaftlichen Vorstellung von Arbeit arbeite, bin ich eigentlich verdammt egoistisch, denn ich bin dann ein Arbeitnehmer, jemand der sich etwas nimmt, statt zu geben. Muss ich dann ein schlechtes Gewissen bekommen? Andererseits, als Harz4 Empfänger, der keine Arbeit nimmt, ist es auch wieder nicht recht und Gesellschaftsmoralisch wohl höherwertig, wenn ich um Arbeit bettle. Dann kann ich mich dankbar schätzen, wenn mir ein mildtätiger Arbeitgeber wenigstens einen 1,00 € Job gibt.

 

Ehrlich gesagt bin ich gar nicht zufrieden mit solch einer Definition von Arbeit. Denkt man den Begriff der Arbeit losgelöst vom Geld, fällt es leichter den Wert der Arbeit nach dem zu messen, welchen Wert sie für das soziale Gemeinschaftsleben hat und nicht danach wie viel Euro man dafür bekommt.

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